Statement

 

 

Nebenan sind neunzehn Sonnen

in den Wald gelaufen,

kein Blatt war vom Lichternagen unberührt,

nur du bist in den Schlaf gehauen

als kniete keine deinen schmalen Kinngrund wund.

Du bist innen aufgewacht

in einem Flügelwagen.

 

Mein Erwachen zur Kunst war ein romantisches, dichterisches.

Bis ich die Farben entdeckte, die ich mit Händen und Füssen für erste Malereien benutzte,

war ich in einem mystischen, lyrischen Strom gefangen.

Als „fahrender Poet“ war dieser gestalterische Neuanfang eine Befreiung hin zur Welt,

der tatsächlichen, der angreifbaren, der lebendigen.

 

Als Autodidakt mit eigenem Atelier bin ich im Alter von 33 Jahren

in die Kunstakademie von Arnhem in den Niederlanden eingetreten.

Angekommen mit einer Bildermappe, „einer kleinen Flöte“, wurden mir dort neue Wege gezeigt.

Am Ende kannte ich die „große Orgel“ der modernen Kunst mit ihren Möglichkeiten.

Mein Abschluss im Fach „Monumentale Kunst“ hat mich zu einem der Schwerpunkte

meines Schaffens geführt, der Kunst im öffentlichen Raum.

 

Vom Wort in die Fläche, aus der Fläche in den Raum, vom Raum hinaus

in die inneren und äußeren Dimensionen des vorstellbar Unverstellbaren,

das war meine mehrfache Geburt.

 

Auf einer grauen, weiten Ebene gehend erträumte ich die kaleidoskopische Pracht

bevorstehender Begegnungen und meiner Berichte darüber und tue das noch immer.

 

Kein Fingerbreites wage in die Wangen

die manteln einander sich die weiten

das Badende ins alles Badende

im obersten Abend und baue ich Mühen an

bis Kirschen keimen und atmen

im Gezweig in beiden.

 

Eingebettet in die Klaviermusik meiner Mutter folge ich

meinem Verlangen nach Rhythmus und Gleichgewicht.

Naiv bestimmt verehre ich das Schöne, das Aufbauende und das,

was mir Mut und Hoffnung gibt, suche das Verbindende anstelle des Trennenden,

das Versöhnende anstelle der Rache.

 

Immer möchte ich meine Arme ausbreiten zu einer Flügelgeste,

um einem Anderen, einem Neuen und Fremden mit Vertrauen gegenüber zu treten,

ungepanzert, immer möchte ich bereit sein zu einer Umarmung.

 

Wie ist es möglich, dass der eine vor Glück lacht, der andere aber im Unglück weint,

warum muss der eine Hunger leiden, darf der andere in Sattheit baden?

Wie ist es möglich, dass der eine in Frieden lacht, der andere aber an Gewalt zerbricht?

 

In den Augen der Kinder sehen ich die volle schattenlose Liebe,

die mich beschämt in meinen Versuchen, diese Welt aus Recht und Unrecht,

Wärme und Kälte, Vergebung und Rache zu begreifen.

 

Diese volle schattenlose Liebe aber ist die Quelle,

nach der meine Kunst und mein Leben zu verlangen nicht aufhört.

 

Ob Malerei oder Balkon oder Zeichnung, ob Denkmal oder Brunnen, Skulptur,

Installation oder digitales Projekt für mich ist alles dasselbe,

eine Wasser aus dem einen Fluss, der dieser Quelle entspringt.

 

Grünlichen Schlafes voll

sog mein blumendes Wagen sich

an die vogelnden Ränder des Lichts,

als ich zu atmen begann,

brach das Tragen entzwei

und Pracht um Pracht strömte aus

und bezog mich kündbar nie.

 

Meine Kunst zerstört niemandes Haus, vergiftet niemandes Brunnen, stiehlt niemandes Glauben.

Sie verspricht keinen Triumph des Einen über den Anderen

sondern ist das Wagnis von Träumen und Hoffnungen.

Sie möchte den Menschen helfen, sich für einander und für die Welt um sie herum zu entscheiden,

um in Freiheit und Frieden miteinander die wachsenden, endlosen Wunder des Lebens anzustaunen.

Sie will behüten, schützen, wachsen lassen.

 

Ob sie das auch kann, weiß ich nicht,

aber ich habe mich dafür entschieden, es auf diese Weise zu versuchen.

Meine Kunst feiert das Leben.